Die Suche nach einer Vorlage für den Flucht- und Rettungsplan ist verständlich: Bei den meisten Dokumenten im Betrieb funktioniert das ja auch. Eine Betriebsanweisung, ein Unterweisungsnachweis, eine Gefährdungsbeurteilung – überall gibt es brauchbare Muster zum Ausfüllen. Beim Fluchtplan endet dieser Weg früher als gedacht, und zwar aus einem Grund, der nichts mit Bürokratie zu tun hat.
Warum es für den Grundriss keine Vorlage geben kann
Ein Flucht- und Rettungsplan ist kein Formular, sondern eine Zeichnung Ihres Gebäudes. Sein Hauptteil ist der Grundriss der dargestellten Etage, maßstabsgetreu, mit den tatsächlichen Wänden, Türen, Treppen und Fluren. Genau dieser Teil macht den Plan aus – und genau dieser Teil ist bei jedem Gebäude ein anderer.
Dazu kommt eine zweite Eigenheit: Der Plan wird lagerichtig zum Aushangort ausgerichtet. Was der Betrachter in der Realität rechts von sich hat, muss auf dem Plan rechts liegen. Deshalb sieht selbst innerhalb desselben Gebäudes nicht jeder Aushang gleich aus, sondern jeder Standort bekommt seine eigene Ausrichtung.
Eine Vorlage kann beides nicht liefern. Was sie liefern kann, ist der Rahmen drumherum.
Was tatsächlich vorlagefähig ist
Der Aufbau eines normgerechten Plans ist durch die DIN ISO 23601 festgelegt und in diesem Sinn tatsächlich eine Vorlage – nur eben eine, die in der Norm steht und nicht zum Download bereitliegt:
- Der Kopfbereich mit Bezeichnung des Gebäudes, der dargestellten Etage und dem Datum der letzten Aktualisierung.
- Die Legende, die jedes verwendete Zeichen erklärt. Ihr Inhalt wiederholt sich von Plan zu Plan, weil die Symbole genormt sind.
- Die Verhaltensregeln für Brandfall und Unfall. Auch sie sind weitgehend standardisiert und lassen sich übernehmen.
Wirklich vorlagefähig im technischen Sinn ist eine CAD-Symbolbibliothek nach ISO 7010 – also eine DWG- oder DXF-Datei mit den korrekt gezeichneten Sicherheitszeichen. Wer mit CAD arbeitet, sucht mit „Vorlage“ meist genau das, und diese Suche ist berechtigt. Nur ersetzt eine Symbolbibliothek den Grundriss eben nicht, sie ergänzt ihn.
Warum Word und PowerPoint ausscheiden
Auffällig oft wird nach einer Vorlage in Word oder PowerPoint gesucht. Beide Programme sind für diese Aufgabe ungeeignet, und zwar nicht aus Prinzipienreiterei:
- Kein Maßstab. Word und PowerPoint kennen keine Maßstabstreue. Ein Flur, der in Wirklichkeit zwölf Meter lang ist, wird zu einem Rechteck, das ungefähr passend aussieht. Auf einem Orientierungsdokument für den Notfall ist „ungefähr“ die falsche Kategorie.
- Verzerrte Symbolgeometrie. Zieht man ein eingefügtes Piktogramm an der Ecke größer, verändert sich schnell das Seitenverhältnis. Ein Rettungszeichen, dessen Proportionen nicht mehr der ISO 7010 entsprechen, ist kein normgerechtes Rettungszeichen mehr.
- Keine saubere Fortschreibung. Ändert sich etwas am Gebäude, muss der Plan aktualisiert werden. In einer CAD-Zeichnung verschiebt man eine Wand, in einer Präsentationsfolie zeichnet man den halben Plan neu.
Für die Texte – Legende, Verhaltensregeln – sind Word und PowerPoint völlig in Ordnung. Für die Zeichnung nicht.
Was hinter „kostenlose Vorlage“ steckt
Gratis-Vorlagen für Flucht- und Rettungspläne gibt es durchaus. Wer sie herunterlädt, sollte zwei Dinge wissen.
Erstens stammen viele davon von Softwareanbietern, für die die Vorlage der Einstieg in ihr Produkt ist. Das ist legitim, aber es heißt: Die Vorlage ist so gebaut, dass man ohne die zugehörige Software nicht weit kommt.
Zweitens – und praktisch wichtiger – sind frei kursierende Symbolsätze häufig nicht auf dem aktuellen Stand der ISO 7010. Die Norm wird fortgeschrieben, Zeichen kommen hinzu und werden angepasst. Ein Plan mit veralteten Piktogrammen ist ein typischer Mangel, der bei einer Begehung auffällt und dann trotzdem korrigiert werden muss.
Eine kostenlose Vorlage, aus der ohne weitere Arbeit ein normgerechter Aushang wird, ist uns nicht bekannt.
Was Sie stattdessen kostenlos bekommen
Wenn bereits Pläne im Gebäude hängen, ist die nützlichere Frage nicht „wo finde ich eine Vorlage“, sondern „taugen die vorhandenen noch“. Genau das prüfen wir kostenlos: Norm-Stand nach DIN ISO 23601 und ISO 7010, Lesbarkeit und ob der Plan noch zum Gebäude passt. Sie senden die Pläne als PDF oder Foto ein und bekommen eine ehrliche Einschätzung – auch dann, wenn sie lautet, dass nichts zu tun ist. Zum kostenlosen Plan-Check.
Und wenn Sie ohnehin eine Datei zum Ausdrucken gesucht haben: Unsere Prüf-Checkliste als PDF geht auf zwei Seiten alle acht Pflichtinhalte nach DIN ISO 23601 durch, dazu die sechs häufigsten Mängel und die Frage der Aktualität – mit Ankreuzkästchen, Feldern für Gebäude, Etage und Prüfdatum sowie einem Ergebnisfeld zum Abzeichnen. Kein Formular zur Anmeldung, kein Konto, einfach herunterladen.
Ebenfalls frei verfügbar ist die Anforderungsliste selbst: Welche acht Angaben ein normgerechter Plan enthalten muss, steht vollständig auf der Seite zur DIN ISO 23601.
Wenn Sie es trotzdem selbst versuchen wollen
Das ist möglich, und wir halten niemanden davon ab. Was Sie dafür brauchen – Software, Symbolbibliothek, Zeitaufwand – und ab welcher Stückzahl sich das gegenüber einer Beauftragung rechnet, steht im Beitrag Fluchtplan-Software oder erstellen lassen?.
Der wirtschaftliche Kern in einem Satz: Ein Plan von uns beginnt bei 150 € netto, ein selbst gezeichneter kostet mehrere Stunden Ihrer Zeit plus die Software. Bei einem einzelnen kleinen Objekt lohnt die Eigenarbeit fast nie.
Kurz zusammengefasst
Für den Grundriss – den eigentlichen Inhalt eines Flucht- und Rettungsplans – kann es keine Vorlage geben, weil er Ihr Gebäude zeigt und je Aushangort anders ausgerichtet wird. Vorlagefähig sind der Planaufbau nach DIN ISO 23601, die Legende, die Verhaltensregeln und eine CAD-Symbolbibliothek nach ISO 7010. Word und PowerPoint scheiden für die Zeichnung aus, weil sie weder Maßstab noch Symbolgeometrie sauber halten.
Wer einen Plan braucht, hat damit zwei ehrliche Wege: ihn in CAD selbst zeichnen oder ihn erstellen lassen. Der Umweg über eine Vorlage führt in aller Regel zu einem Dokument, das im Ernstfall nicht hilft und bei der nächsten Begehung beanstandet wird.