Norm & Aufbau

Die häufigsten Fehler bei Flucht- und Rettungsplänen

Die häufigsten Fehler bei Flucht- und Rettungsplänen

Nicht jeder Flucht- und Rettungsplan, der an der Wand hängt, hält einer Prüfung stand. In der Praxis wiederholen sich dieselben Mängel, unabhängig davon, ob der Plan intern erstellt oder eingekauft wurde. Dieser Beitrag zeigt die häufigsten Fehler und was dahintersteckt.

Fehler 1: Der Plan hängt nicht lagerichtig

Der mit Abstand häufigste Mangel: Der Grundriss auf dem Plan stimmt nicht mit der tatsächlichen Ausrichtung am Aushangort überein. Was auf dem Plan rechts eingezeichnet ist, muss auch in der Realität rechts liegen, wenn man davorsteht. Ein inhaltlich korrekter Plan, der spiegelverkehrt oder um 180 Grad gedreht montiert ist, führt im Ernstfall genau in die falsche Richtung. Das ist kein Zeichenfehler, sondern ein Montagefehler – und deshalb bei jeder Kontrolle vor Ort zu prüfen, nicht nur am Bildschirm.

Fehler 2: Veraltete oder uneinheitliche Symbole

Sicherheitszeichen wurden über die Jahre mehrfach angepasst. Pläne, die älter sind oder aus unterschiedlichen Quellen zusammengestellt wurden, mischen häufig alte und neue Symbolversionen oder verwenden Zeichen, die nicht der aktuellen ISO 7010 entsprechen. Für Betrachter wirkt das im ersten Moment vielleicht noch verständlich – im Ernstfall zählt aber jede Sekunde Nachdenken. Eine vollständige Übersicht der aktuell gültigen Zeichen finden Sie im Beitrag Symbole im Flucht- und Rettungsplan.

Fehler 3: Fehlende oder falsch platzierte Sammelstelle

Ein Plan ohne eingezeichnete Sammelstelle ist unvollständig – die DIN ISO 23601 verlangt sie als Pflichtinhalt. Ebenso problematisch: Sammelstellen, die auf dem Papier existieren, aber in der Realität nicht mehr zugänglich sind, weil sich die Außenanlage seit Planerstellung verändert hat (Neubau, Parkplatzumbau, neue Zufahrt). Die Sammelstelle sollte deshalb bei jeder Prüfung mit vor Ort begangen werden, nicht nur am Plan kontrolliert.

Fehler 4: Der Plan ist schlicht veraltet

Nach Umbauten, verlegten Fluchtwegen oder geänderter Raumnutzung zeigt ein alter Plan einen Zustand, den es nicht mehr gibt. Ein solcher Plan ist gefährlicher als gar kein Plan, weil er Vertrauen erzeugt, wo eigentlich Vorsicht angebracht wäre. Wann genau eine Aktualisierung fällig wird, beschreibt der Beitrag Wann muss ein Fluchtplan aktualisiert werden?.

Fluchtplan-Aushang, der halb hinter gestapelten Kartons in einer Abstellnische versteckt ist
Ein Plan, den niemand findet: klassischer Fall von Fehler 5.

Fehler 5: Ungeeigneter Aushangort

Selbst ein perfekter Plan nützt wenig, wenn er dort hängt, wo ihn niemand sieht oder findet. Geeignet sind Stellen in Fluchtwegen mit erhöhtem Personenaufkommen: Eingangsbereiche, vor Aufzügen, an Treppenzugängen und Kreuzungspunkten von Verkehrswegen. Häufiger Fehler: Der Plan hängt in einem Büro oder Nebenraum statt im eigentlichen Fluchtweg.

Fehler 6: Legende unvollständig oder unverständlich

Jedes verwendete Symbol muss in der Legende erklärt sein – ohne Ausnahme. Fehlt die Erklärung für ein selten genutztes Zeichen, etwa für eine spezielle Brandschutzeinrichtung, bleibt der Plan für Laien an genau dieser Stelle unklar. Auch Verhaltensregeln für Brand- und Notfall gehören verpflichtend in die Legende, werden aber in älteren oder selbst erstellten Plänen häufig weggelassen.

So lassen sich diese Fehler vermeiden

Die meisten dieser Mängel entstehen nicht durch Nachlässigkeit, sondern weil Fluchtpläne selten und meist nebenbei erstellt oder geprüft werden. Eine regelmäßige, dokumentierte Prüfung im Rahmen der Aktualisierungspflicht sowie die Erstellung durch Fachpersonal, das die Norm im Detail kennt, beugen den genannten Fehlern zuverlässig vor.

Kurz zusammengefasst

Falsch montierte, veraltete oder unvollständige Pläne sind in der Praxis keine Seltenheit. Wer die genannten sechs Punkte bei der nächsten Prüfung gezielt kontrolliert, findet die häufigsten Mängel selbst – und kann sie beheben, bevor es im Ernstfall darauf ankommt.

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