Grundlagen

Fluchtplan zeichnen: Selbst erstellen oder erstellen lassen?

Fluchtplan zeichnen: Selbst erstellen oder erstellen lassen?

Wer online nach „Fluchtplan zeichnen“ sucht, hat meist eine von zwei Absichten: entweder den Plan selbst mit einer Software erstellen oder verstehen, wie professionelle Ersteller dabei vorgehen. Dieser Beitrag beantwortet beides – inklusive der Frage, wann Eigenregie sinnvoll ist und wann nicht.

Womit werden Fluchtpläne gezeichnet?

Professionell erstellte Flucht- und Rettungspläne entstehen fast immer in einer CAD-Software (Computer Aided Design), zum Beispiel AutoCAD, Vectorworks oder branchenspezifischen Programmen mit hinterlegten ISO-7010-Symbolbibliotheken. CAD hat gegenüber freier Zeichnung oder generischen Grafikprogrammen einen entscheidenden Vorteil: Maßstab, Bemaßung und Symbolgrößen bleiben exakt und lassen sich bei baulichen Änderungen sauber anpassen, statt den Plan jedes Mal neu zu zeichnen.

Grundlage ist immer ein maßgenauer Grundriss. Liegt dieser bereits digital vor, wird er direkt in die CAD-Umgebung importiert. Fehlt er, muss er zuerst erstellt werden – entweder durch Abmessen vor Ort oder per LIDAR-Aufmaß, das aus einem Laserscan automatisch einen maßgenauen digitalen Grundriss erzeugt.

Fluchtplan selbst zeichnen: Was zu beachten ist

Ein Fluchtplan lässt sich grundsätzlich auch in Eigenregie zeichnen, etwa mit einem CAD-Programm oder spezialisierter Planungssoftware. Wer das in Erwägung zieht, sollte drei Punkte im Blick behalten:

  1. Die Norm ist bindend, nicht optional. Der Plan muss der DIN ISO 23601 entsprechen: fester Aufbau, genormte Symbole nach ISO 7010, korrekte, lagerichtige Ausrichtung zum Betrachterstandort. Ein frei gestalteter Plan, der „ungefähr richtig“ aussieht, erfüllt diese Anforderung in der Regel nicht.
  2. Symbolbibliotheken müssen aktuell sein. Frei im Internet gefundene Icons entsprechen häufig nicht exakt der aktuellen ISO 7010 – ein häufiger Fehler, der bei einer Begehung auffällt.
  3. Der Zeitaufwand wird regelmäßig unterschätzt. Ein maßgenauer, normgerechter Plan pro Etage dauert selbst mit vorhandenem Grundriss und CAD-Erfahrung mehrere Stunden – von Legende über Sammelstelle bis zur korrekten Ausrichtung.

Für ein einzelnes, kleines und übersichtliches Objekt mit vorhandener CAD-Kompetenz im Haus kann das Selbst-Zeichnen wirtschaftlich sein. Bei mehreren Etagen, fehlenden Grundlagen oder ohne CAD-Erfahrung überwiegt in aller Regel der Aufwand.

Fluchtplan zeichnen lassen: So läuft es ab

Wer den Plan zeichnen lässt, durchläuft in der Regel vier Schritte:

  1. Grundlage klären: Vorhandene Pläne werden gesichtet oder, falls keine existieren, per LIDAR-Scan erfasst.
  2. Zeichnung nach Norm: Der Plan entsteht in CAD, mit Flucht- und Rettungswegen, Sammelstelle, Brandschutz- und Erste-Hilfe-Einrichtungen sowie ISO-7010-Symbolik.
  3. Prüfung: Vor der Lieferung wird der Plan auf Normkonformität, korrekte Ausrichtung und Vollständigkeit der Legende geprüft.
  4. Lieferung: Sie erhalten druckfertige PDF-Dateien, auf Wunsch zusätzlich die CAD-Quelldateien oder einen fertig gedruckten und gerahmten Aushang.

Was das kostet, hängt von Datengrundlage, Gebäudegröße und Anzahl der benötigten Pläne ab – ein Überblick dazu steht im Beitrag Was kostet ein Fluchtplan?.

Selbst zeichnen oder zeichnen lassen: Die Kurzfassung

Selbst zeichnen Zeichnen lassen
Normkonformität Muss selbst sichergestellt werden Wird geprüft geliefert
Zeitaufwand Mehrere Stunden pro Etage Kein eigener Aufwand
Symbolbibliothek Muss aktuell beschafft werden Immer aktuell
Haftung im Schadensfall Bleibt beim Ersteller Reduziert durch Fachprüfung
Sinnvoll bei Einzelnem, kleinem Objekt mit CAD-Kompetenz Mehreren Etagen, fehlender CAD-Erfahrung, fehlenden Plänen

Kurz zusammengefasst

Ob Sie den Fluchtplan selbst zeichnen oder zeichnen lassen, hängt vor allem von Objektgröße, vorhandener CAD-Kompetenz und der vorhandenen Datengrundlage ab. Entscheidend ist in beiden Fällen dasselbe: Der fertige Plan muss der DIN ISO 23601 entsprechen, sonst erfüllt er im Ernstfall seinen Zweck nicht.

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